Tierisches Dänemark – ein Iltis auf Futtersuche

Ich erinnere mich noch gut an einen Dänemark-Urlaub in einem Sommerhaus, das diese Bezeichnung nicht verdient hatte. Es handelte sich nämlich um ein kaltes Steinhaus mit tief heruntergezogenem Dach, das die Sonne einfach nicht hineinließ. Wenn Sie mich fragen, wurde es von seinem Besitzer selbst entworfen.

In der ersten Nacht schlief ich in meinem dicken Fleecebademantel mit Kapuze. Zum Duschen stellte ich mich in eine Schüssel, damit ich nicht auf den kalten Fliesen stehen musste. Aber am Tage konnte man das Leben genießen. Oft lag ich auf der halb überdachten Terrasse, entweder mit oder ohne Zudecke und unser Hund lag auf meinem Schoß, entweder auf oder unter der Zudecke, ganz nach Sonnen-Wolken-Lage. Das ließ sich aushalten. Täglich gingen wir am Nordseestrand spazieren und abends fuhren wir, wenn das Wetter passte, noch einmal zum Sonnenuntergang an den Strand.

Einmal sahen wir auf dem Rückweg einen Fuchs, der gemächlich die zum Strand führende Hauptstraße überquerte. Wieder im Ferienhaus angekommen hoppelte ein Hase auf dem Naturgrundstück vorüber und wenig später schlich ein Fuchs in dieselbe Richtung. Ich dachte, ob die beiden sich wohl gleich Gute Nacht sagen werden?

Tierische Erlebnisse der besonderen Art durften wir in Dänemark oft machen, auch mit unserer Hündin Jenny, die wir von Anfang an mit in den Urlaub nahmen. Als sie noch kein Jahr alt war, hatten wir auch wieder ein gemütliches Ferienhaus an der Ostseeküste gemietet. Schon nach ein paar Tagen wunderten wir uns über Jennys Riesenappetit. Zu Hause hatte sie ihren Napf nie leer gefressen. Das machte wohl die gute Seeluft, dachten wir. Als ich dann eines Abends eine Maus sah, die frech an einem Regal emporkletterte, während ich da saß und ein Buch vor der Nase hatte, war mir alles klar. Und jetzt dämmerte mir, weshalb ich Mausefallen gesehen hatte. Wohin die Maus verschwand, konnte ich nicht sehen. Das war mir auch egal. Und dort, wo sie herkam, gab es noch mehr von dieser Sorte, das war sicher. Meinetwegen konnten sie hier ruhig mit uns unter einem Dach leben. Aber eines wusste ich, in Zukunft musste ich aufpasssen und sie mussten ihren gerade erst umgestellten Speiseplan wieder ändern: Hundefutter ist aus!

Während eines anderen Dänemark-Urlaubs begegneten wir einem Iltis. Damals hatten wir gerade eine Bäckerei betreten, um uns mit einem leckeren Kuchenstück einzudecken, da beobachteten wir, wie der Vierbeiner seelenruhig durch den geöffneten Nebeneingang in das Geschäft tappte. Zielstrebig steuerte er in einen Nebenraum, als würde er sich auskennen. Mit Händen und Füßen versuchten wir, der Verkäuferin klar zu machen, was sich gerade hinter ihrem Rücken abgespielt hatte. Natürlich wussten wir nicht, was Iltis auf Dänisch heißt. Unsere Sprachkenntnisse beschränkten sich auf die typischen Wörter, die einem Touristen das Überleben sicherten – und dazu gehörte definitiv nicht die Bezeichnung dieses Eindringlings. Am Ende schafften wir es aber doch und die Verkäuferin bekam einen großen Schreck, als sie nachsah. Vielleicht hatte der Iltis gedacht: voll lecker, in diesen Kuchen könnte ich mich reinsetzen. Was er dann bestimmt auch getan hatte.

Dänemark hat wirklich tierisch viel zu bieten, zumindest, wenn man sich in der Abgeschiedenheit der Natur häuslich niederlässt. Hier kleine Schlangen, dort eine tote Robbe am Strand, hier ein Fuchs, dort ein Marder – von den Ameisen, Spinnen und Zecken mal ganz abgesehen. Und ein raues Klima gehört auch dazu. Wir fühlen uns immer wohl in Dänemark, lieben die Natur, Stille, Sonne, Wolken, Wind und Meer. Das ist LEBEN PUR!

Dachschaden durch Strohausfall

Ich erinnere mich noch gut. Vor vielen Jahren hatten wir in Dänemark ein Strohdachhaus mit Nordsee-Meerblick gebucht. Als wir angekommen waren, fiel uns auf, dass der verwunschene Weg, der hoch zum Haus führte, fast zugewachsen war. Ich musste unseren kleinen Hund auf den Arm nehmen, während wir uns zum Eingang durcharbeiteten. Als wir die Tür aufschlossen und hineingingen, fühlte ich mich in eine andere Zeit zurückversetzt. Leider handelte es sich eindeutig um eine Zeit mit wenig Komfort. Mein Verstand wollte sich beschweren, während das romantische Vintage-Gefühl in mir Purzelbäume schlug. Egal, wir schleppten erst einmal unsere Sachen hinein. Dann sahen wir uns stumm um:

Die Lichtschalter stammten wohl aus der Zeit, in der das elektrische Licht gerade eingeführt worden war. Auch an der Küche war seither jede moderne Entwicklung vorbeigegangen. Wo war nur der Kühlschrank? Wir fanden ihn  in einer Art Kellervertiefung mit Holztreppchen am Ende des Raumes. Dort wurde wohl schon früher alles ohne künstliche Kühlung frisch gehalten. Der Gossenstein (Spüle) und der Zweiplattenherd ließen mich erschaudern, von der Pfanne und den Töpfen ganz zu schweigen. Aber zunächst gab es Wichtigeres.

Nach der langen Fahrt musste ich erst einmal dringend für kleine Urlauber. Das Wasserklosett funktionierte zufriedenstellend, wenn man davon absah, dass unten ein wenig Wasser in einem Rinnsal herauslief – zum Glück handelte es sich um Frischwasser.

Ich fragte mich, ob das Stroh auf dem Fußboden dafür gedacht war, das Wasser aufzusaugen? Mir wurde ganz anders und wir sahen uns weiter um. Im Schlafzimmer waren an den Wänden hübsch geblümte Tapeten, die mustertechnisch direkt in die Gardinen übergingen, als gäbe es überhaupt keine Vorhänge. In Gedanken gab ich einen Abzug in der B-Note! Aber das war noch nicht alles. Überall sahen wir Blüten, sogar der Teppichboden war geblümt. Eindeutig „to much“, selbst für eingefleischte Landhausstil-Liebhaber! Ich mag grundsätzlich geblümte Muster, aber in diesem Haus war
bestimmt jeder froh, dass er nachts die Augen geschlossen hatte.

Als mein Blick auf das Bett fiel, sah ich dort schon wieder Stroh. Und eines stand fest, es war sicher nicht dafür gedacht, Wasser aufzusaugen und es gehörte auch nicht zur Dekoration. Warum es dort wohl lag? Langsam dämmerte es mir und ich schaute nach oben. Natürlich, das Stroh kam direkt vom Dach und war einfach, zwischen die Holzdielen der Zimmerdecke hindurch, nach unten gefallen.

Um uns zu vergewissern, gingen wir die schmale Treppe hinauf und fanden uns auf einem großen Dachboden wieder. Tatsächlich, die alten Holzdielen waren mit Strohhalmen übersät, entsprechend marode zeigte sich das Dach über uns. Es hatte definitiv schon bessere Zeiten gesehen. Ich stellte mir vor, wie gemütlich es im Haus sein musste, nach einem starken Regenguss und was ein Gewitter oder ein Kurzschluss in der alten Stromleitung alles anrichten konnte … Mir wurde ganz schaurig zumute.

Vorsichtig gingen wir wieder nach unten und nahmen das Wohnzimmer in Augenschein. Das hatte auf dem Foto im Prospekt so gemütlich gewirkt. Und tatsächlich, es war auch mal gemütlich gewesen – jedenfalls vor ungefähr 50 Jahren. Der geblümte Ohrensessel, der offene Kamin, wie für eine Filmkulisse gemacht. Das Ganze erinnerte mich an die Miss Marple Verfilmungen, jedenfalls auf den ersten Blick. Man durfte jedoch nicht genau hinsehen. Die Fußleisten waren durchweg vergammelt, ebenfalls die Terrassentür. Alles war schmuddelig und renovierungsbedürftig.

Neben der Tür stand ein Zinkeimer mit Sand, in denen Kippen steckten. Die Gartenmöbel bestanden aus einem durchgesägten Baumstamm auf Beinen, der als Tisch dienen sollte, und einer harten Holzbank ohne Lehne. Um die Ecke standen die rostigen Überbleibsel eines Liegestuhls. Meine Freude war stark getrübt, genauso wie die Fensterscheiben, durch die man laut Prospekt den Meerblick hätte genießen sollen. Mein Mann und ich sahen uns an; ein Blick genügte. Der fragende Blick unseres Hundes ging zwischen uns hin und her. „Was hat Herrchen denn? Warum ist Frauchen so traurig?“

Jenny verstand die Welt nicht mehr. Die Enttäuschung über unseren wortlos gefassten Entschluss war ihr ins Gesicht geschrieben. Und als wir tätig wurden, hatte ich den Eindruck, Jennys Gedanken lesen zu können: „Leute, die Hütte gefällt mir, sie riecht total interessant. Ich wollte schon immer mal Abenteuerurlaub mit euch machen. Also wieso packt ihr alle Sachen wieder in das doofe Auto zurück, sogar meine Näpfe und meine Schlafhöhle?“

Auf den Geschmack unseres Hundes konnten und wollten wir keine Rücksicht nehmen und begaben uns schnurstracks zur Ferienhausvermittlung. Dort angekommen, brauchten wir nicht viel zu sagen. Die zuständige Dame gab uns sofort drei Schlüssel von anderen Ferienhäusern, von denen wir uns ein annehmbares aussuchten und dann doch noch einen schönen Urlaub verleben konnten.

Heute frage ich mich, ob ein solches Haus im Zeitalter des Internets überhaupt noch eine Chance hätte, gebucht zu werden. Aber wahrscheinlich ist es ohnehin schon längst in Flammen aufgegangen. Ja, Gewitter können eine reinigende Wirkung haben.