Funktionsfell trifft auf falschen Fummel

Heute ist das Wetter sehr unbeständig. Regen und Sonne wechseln sich ab, begleitet von stürmischen Winden, die ein kurzes Gewitter aufziehen ließen. Aber auch das genieße ich in Dänemark. Hier angekommen, kann ich runterfahren, spätestens beim Sonnenuntergang. Der Himmel und das Meer ändern ständig ihr Erscheinungsbild – ein gigantisches Farbenspiel, von dem es  allabendlich eine Neuinszenierung gibt.

Diese wilde menschenleere Natur fasziniert mich. Mein Mann und ich sitzen oft im Ferienhaus nebeneinander am Tisch, der direkt an der Fensterfront steht, vor uns unsere Ferngläser. ER schaut auf die Wetter-App seines Handys, ICH beobachte das Wetter draußen. Ab und zu hoppelt ein Hase vorbei.

Gestern war ein riesiger Regenbogen am Himmel sichtbar. Für kurze Zeit hatte er noch einen halben Regenbogen neben sich. Am kleinen Jachthafen streunten zwei Füchse am steinigen Strand entlang. Als der eine Fuchs staunend eine denkbar falsch aufgetakelte Frau erblickte, drehte er sich um und lief davon. Sein kleiner neugieriger Kollege flitzte hinterher, sobald er den Blick von dieser Attraktion lassen konnte. Die Frau sah so ganz anders aus, als die Menschen in Funktionskleidung, die es sonst an diese einsame Bucht verschlägt. Nicht, dass Füchse irgendetwas von Mode verstünden. Wozu auch, wenn sie doch von Kopf bis Fuß in ihren kuscheligen Funktionspelz eingehüllt sind. Aber die Frau verstand etwas von Mode, auch wenn Das Passende Outfit  nicht ihr Spezialgebiet zu sein schien.

Es ist Samstag, und da macht sich auch bei Regen und Wind der eine oder andere Mensch auf den Weg zum Meer, so auch besagte Frau. Während ihr Begleiter es vorzog im Auto sitzen zu bleiben, setzte sie bei stürmischer Brise die Kapuze auf ihre Frisur und fing an, Steine zu sammeln. Sie trug ein weites Figur umschmeichelndes Ensemble, das aus einem kurzen bunten Kleid und einer etwas längeren senfgelben verschlusslosen Kapuzen-Strickjacke bestand. Ihr modisch aktuelles Outfit hatte sie mit auffälligen Stiefelettchen komplettiert, die ihre kurzen Beine noch kürzer erscheinen ließen, als sie ohnehin waren.

Inzwischen peitschte der Regen gegen die Windschutzscheibe des Autos. Die Frau hielt sich fröstelnd ihre dünne Strickjacke zusammen und der Mann hielt es weiterhin für besser, nicht auszusteigen. Die Strickkapuze war inzwischen durchnässt und die Frisur platt. Aber die Frau hatte sich die Steine nun einmal in ihren vergeblich frisierten Kopf gesetzt und ging, in gebückter Haltung Ausschau haltend, weiter.

Weil die nasse Strickjacke nun wie eine zweite Haut an der Frau klebte, zeichnete sich die Silhouette ihrer viereckigen Figur ab. Die kaschierende Wirkung der trendigen Kreation war dahin. Ja, frau hat’s nicht einfach Frisur, Figur und Natur unter einen Hut zu kriegen. Und auf die Wirkung von Mode ist ja grundsätzlich kein Verlass, auf Funktionskleidung schon – und vor allem auf eine passende Wetter-App. Auf dieser hatte mein Mann nämlich gesehen, dass schon wenig später Regen und Wind nachlassen würden.

Und siehe da, während die Frau wie ein begossener Pudel wieder im Auto saß, lockerte es von Südwesten her auf. Die Sonne trocknete die unzähligen wohlgeformten Steine am Strand und ließ das Meer vor dunklem Horizont silbrig glitzern. Eine wunderschöne Silhouette!

Zu hohe Abgaswerte bei Teezeremonie

Ein Kurztrip nach Ostfriesland sollte es werden. Wir wollten mit den Rädern am Wasser entlang fahren, typische ostfriesische Häuser sehen und die echt ostfriesische Tee-Zeremonie erleben. Das war der Plan.

Zuerst haben wir es in Leer und dann in Emden versucht, also dort, wo das alles möglich sein sollte.

In Leer konnten wir tatsächlich am Wasser fahren, aber hauptsächlich hinter dem Deich durch Schafsch… in verschiedenen Konsistenzen. Wir mussten ständig unsere Fahrräder durch schwergängige Gatter bugsieren – ein mühsames Geschäft.

Schöne friesische Häuser gab es auch, aber nur in der lauten Einkaufszone, die von vielen Menschen, bunt gemischt, bevölkert war. Sie saßen hauptsächlich in Cafés mit Bäckerei-Hintergrund. Womit wir beim Thema wären: keine Teestuben in Sicht. Hier wurde es wieder einmal bestätigt: Fußgängerzonen sehen im Grunde überall gleich aus, wären da nicht die wenigen historischen Gebäude, durch die sie sich unterschieden.

Am Hafen gab es eine Brücke, die nur einspurig befahrbar war. Deshalb stauten auf beiden Seiten Autos zu langen Schlangen. Sie bewegten sich nur dann, wenn sie die Brücke überqueren durften. Klappte die Brücke hoch, um ein Schiff durchzulassen, stand alles, Fußgänger, Fahrradfahrer, Autos, Laster und besonders die Luft. Sauerstoff Fehlanzeige, besonders bei der Hitze.

Und genau an diesem neuralgischen Punkt entdeckten wir eine ostfriesische Teestube mit ein paar Tischen vor der Tür. Ich sah die typischen Teekännchen mit der Friesenrose und mein Herz hätte eigentlich höher schlagen müssen, aber mir wurde sofort klar, dass sich die fast schon sichtbaren Abgaswerte und besonders der Geräuschpegel schlecht in Einklang mit einer gemütlichen Tee-Zeremonie bringen ließen – jedenfalls im Außenbereich.

Und vom Rauchen würde ich dort jedem abraten, auch wenn die Tische mit Aschenbechern bestückt waren. Wie viele Gäste hier wohl schon tot umgefallen sind. An solchen Stellen sollte das Aufstellen von Beatmungsgeräten und Defibrillatoren zum Pflichtprogramm gehören.

Dies war jedenfalls eindeutig nicht der Ort zum gemütlichen Genießen. Deshalb arbeiteten wir uns weiter durch die Menge und fuhren zum nahe gelegenen Schloss, das bezaubernd schön war. Nachdem wir es uns angesehen hatten, fuhren wir durch den wunderschönen Schlosspark zu einem großen Nebengebäude mit einem Café. Von dort aus konnten wir das Schloss nicht mehr sehen, aber ganz allein unter Bäumen im Halbschatten und an frischer Luft Flammkuchen essen und große alkoholfreie Hefeweizen trinken. Das war herrlich.

Nicht so herrlich war das Gäste-Toiletten-Verhältnis. Ein einziges WC war mit dem Ansturm einer Seniorengruppe, die sich zuvor im Schloss aufgehalten hatten vollkommen überlastet, zumal die Damen offenbar viel Bier getrunken hatten. Entsprechend lang war die Schlange vor der Toilette. Die WC-Abgaswerte waren hier aber nicht im lebensbedrohlichen Bereich, so wie die Autoabgase bei der einspurigen Brücke.

Anschließend fuhren wir mit dem Auto und den Rädern hinten drauf weiter nach Emden. Bei der Tourist-Information sagte man uns, es gäbe keine ostfriesische Teestube. Aber das konnte ich mir einfach nicht vorstellen und ich fragte zwei Damen, die sich gerade unterhielten, ob sie uns nicht helfen könnten. Die eine von beiden führte uns dann direkt zum modernen Henry Nannen Museum mit Kunsthalle und Café. Es war zwar keine Teestube, wie man sie sich sonst vorstellt, aber das Ambiente gefiel uns gut. So genossen wir auf einer modernen Terrasse an einem Wasserlauf sitzend unsere Teezeremonie. Es gab echten Ostfriesentee aus Kännchen (allerdings ohne Friesenrosen-Dekor), die auf Stövchen standen, dazu Kluntjes und Sahne mit Schöpflöffelchen, herrlich.

Es war angenehm ruhig, geradezu idyllisch, bis wir plötzlich von Weitem sehr laute Musik näherkommen hörten. Zwei junge rauchende Männer fuhren mit Ghettoblaster bewaffnet auf ihrem Motorboot langsam an uns vorbei. Die Bässe brachten das Teekännchen auf dem Stövchen zum Vibrieren. Ich hätte den Typen am liebsten den Aschenbecher, der auf unserem Tisch stand, an Deck geworfen. Aber ich war damit beschäftigt, mir die Ohren zuzuhalten.

Später fuhren wir über die Autobahn durch die Rauchwolke, die das brennende Moor im Moment hinterlässt, nach Hause. Der Traum von einer romantischen Radtour in Ostfriesland war ausgeträumt. Dafür sind wir am nächsten Tag mit unseren Drahteseln nach Dammsiel gefahren – immer am Wasser entlang. Dort angekommen, gab es ein herzhaftes Bauernfrühstück. Auf dem Rückweg kauften wir Sahne für eine ostfriesische Teezeremonie im eigenen Garten – natürlich mit Friesenrosen-Dekor.

Unterm Strich muss ich sagen, der zweite Tag war besser, auch wenn ich die Ökobilanz betrachte. Wir konnten die gesamte Strecke mit den Rädern fahren. Es war alles in der Nähe, sogar ein Schloss. Wie heißt es so schön: Our home is our castle!

Sitzflächen-Peinlichkeit

Es war wieder ein schöner Urlaub. Der Weg ist das Ziel, sagt man, aber für Dänemark trifft das nicht zu. Für uns heißt es immer: „Schnell hin- und ankommen. Dann nur noch genießen!“

Natürlich erlebt man nicht immer nur schöne Dinge, die die Seele erfreuen, sondern durchaus auch mal etwas Peinliches. Ich erinnere mich an eine Situation. Mein Mann und ich fuhren mit unseren Rädern zu unserem Sonnenuntergangs-Rundgang. Vor uns ging ein junges Paar; im Schlepptau hatten sie eine junge Frau, und bei dieser war ein großer roter Fleck auf der Sitzfläche ihres Kleides zu sehen. Wie peinlich, dachte ich, mit Tampax wäre das nicht passiert! Damit kann man nämlich laut Werbeaussage: schwimmen, surfen, reiten, Rad fahren … also fast alles.

Nur mit einem Handy kann man mehr: Musik hören, Radio hören, fernsehen, simsen, streamen, skypen, googeln, posten, twittern, daten, Musik aufnehmen, Sprachmemos sichern, filmen, fotografieren. Außerdem kann man mit Fotos angeben, mit dem Handy angeben, gut rüberkommen, schlecht rüberkommen, Nachrichten checken, Mails checken, das Konto checken, den Kalorienverbrauch checken, die Lage checken, Chancen checken, das Wetter checken, den Verkehr checken, die Uhr checken, die Tagesschau sehen, Spielfilme sehen, auf den Kalender sehen, in den Spiegel sehen, Schritte zählen, sich wecken lassen, etwas nachmessen, ausleuchten, rechnen oder spielen …

Habe ich noch etwas vergessen? Was? Whats App? Klar! Uh, ist mir warm geworden. Hat das Ding auch einen kleinen Ventilator? Ich fühle, dass ich noch etwas vergessen habe, irgendetwas Wichtiges, das mit Kommunikation zu tun hat. Moment, mein Handy klingelt!

Ach, jetzt fällt es mir ein, hätte ich gleich drauf kommen können: TELEFONIEREN!

Tierisches Dänemark – ein Iltis auf Futtersuche

Ich erinnere mich noch gut an einen Dänemark-Urlaub in einem Sommerhaus, das diese Bezeichnung nicht verdient hatte. Es handelte sich nämlich um ein kaltes Steinhaus mit tief heruntergezogenem Dach, das die Sonne einfach nicht hineinließ. Wenn Sie mich fragen, wurde es von seinem Besitzer selbst entworfen.

In der ersten Nacht schlief ich in meinem dicken Fleecebademantel mit Kapuze. Zum Duschen stellte ich mich in eine Schüssel, damit ich nicht auf den kalten Fliesen stehen musste. Aber am Tage konnte man das Leben genießen. Oft lag ich auf der halb überdachten Terrasse, entweder mit oder ohne Zudecke und unser Hund lag auf meinem Schoß, entweder auf oder unter der Zudecke, ganz nach Sonnen-Wolken-Lage. Das ließ sich aushalten. Täglich gingen wir am Nordseestrand spazieren und abends fuhren wir, wenn das Wetter passte, noch einmal zum Sonnenuntergang an den Strand.

Einmal sahen wir auf dem Rückweg einen Fuchs, der gemächlich die zum Strand führende Hauptstraße überquerte. Wieder im Ferienhaus angekommen hoppelte ein Hase auf dem Naturgrundstück vorüber und wenig später schlich ein Fuchs in dieselbe Richtung. Ich dachte, ob die beiden sich wohl gleich Gute Nacht sagen werden?

Tierische Erlebnisse der besonderen Art durften wir in Dänemark oft machen, auch mit unserer Hündin Jenny, die wir von Anfang an mit in den Urlaub nahmen. Als sie noch kein Jahr alt war, hatten wir auch wieder ein gemütliches Ferienhaus an der Ostseeküste gemietet. Schon nach ein paar Tagen wunderten wir uns über Jennys Riesenappetit. Zu Hause hatte sie ihren Napf nie leer gefressen. Das machte wohl die gute Seeluft, dachten wir. Als ich dann eines Abends eine Maus sah, die frech an einem Regal emporkletterte, während ich da saß und ein Buch vor der Nase hatte, war mir alles klar. Und jetzt dämmerte mir, weshalb ich Mausefallen gesehen hatte. Wohin die Maus verschwand, konnte ich nicht sehen. Das war mir auch egal. Und dort, wo sie herkam, gab es noch mehr von dieser Sorte, das war sicher. Meinetwegen konnten sie hier ruhig mit uns unter einem Dach leben. Aber eines wusste ich, in Zukunft musste ich aufpasssen und sie mussten ihren gerade erst umgestellten Speiseplan wieder ändern: Hundefutter ist aus!

Während eines anderen Dänemark-Urlaubs begegneten wir einem Iltis. Damals hatten wir gerade eine Bäckerei betreten, um uns mit einem leckeren Kuchenstück einzudecken, da beobachteten wir, wie der Vierbeiner seelenruhig durch den geöffneten Nebeneingang in das Geschäft tappte. Zielstrebig steuerte er in einen Nebenraum, als würde er sich auskennen. Mit Händen und Füßen versuchten wir, der Verkäuferin klar zu machen, was sich gerade hinter ihrem Rücken abgespielt hatte. Natürlich wussten wir nicht, was Iltis auf Dänisch heißt. Unsere Sprachkenntnisse beschränkten sich auf die typischen Wörter, die einem Touristen das Überleben sicherten – und dazu gehörte definitiv nicht die Bezeichnung dieses Eindringlings. Am Ende schafften wir es aber doch und die Verkäuferin bekam einen großen Schreck, als sie nachsah. Vielleicht hatte der Iltis gedacht: voll lecker, in diesen Kuchen könnte ich mich reinsetzen. Was er dann bestimmt auch getan hatte.

Dänemark hat wirklich tierisch viel zu bieten, zumindest, wenn man sich in der Abgeschiedenheit der Natur häuslich niederlässt. Hier kleine Schlangen, dort eine tote Robbe am Strand, hier ein Fuchs, dort ein Marder – von den Ameisen, Spinnen und Zecken mal ganz abgesehen. Und ein raues Klima gehört auch dazu. Wir fühlen uns immer wohl in Dänemark, lieben die Natur, Stille, Sonne, Wolken, Wind und Meer. Das ist LEBEN PUR!

Dachschaden durch Strohausfall

Ich erinnere mich noch gut. Vor vielen Jahren hatten wir in Dänemark ein Strohdachhaus mit Nordsee-Meerblick gebucht. Als wir angekommen waren, fiel uns auf, dass der verwunschene Weg, der hoch zum Haus führte, fast zugewachsen war. Ich musste unseren kleinen Hund auf den Arm nehmen, während wir uns zum Eingang durcharbeiteten. Als wir die Tür aufschlossen und hineingingen, fühlte ich mich in eine andere Zeit zurückversetzt. Leider handelte es sich eindeutig um eine Zeit mit wenig Komfort. Mein Verstand wollte sich beschweren, während das romantische Vintage-Gefühl in mir Purzelbäume schlug. Egal, wir schleppten erst einmal unsere Sachen hinein. Dann sahen wir uns stumm um:

Die Lichtschalter stammten wohl aus der Zeit, in der das elektrische Licht gerade eingeführt worden war. Auch an der Küche war seither jede moderne Entwicklung vorbeigegangen. Wo war nur der Kühlschrank? Wir fanden ihn  in einer Art Kellervertiefung mit Holztreppchen am Ende des Raumes. Dort wurde wohl schon früher alles ohne künstliche Kühlung frisch gehalten. Der Gossenstein (Spüle) und der Zweiplattenherd ließen mich erschaudern, von der Pfanne und den Töpfen ganz zu schweigen. Aber zunächst gab es Wichtigeres.

Nach der langen Fahrt musste ich erst einmal dringend für kleine Urlauber. Das Wasserklosett funktionierte zufriedenstellend, wenn man davon absah, dass unten ein wenig Wasser in einem Rinnsal herauslief – zum Glück handelte es sich um Frischwasser.

Ich fragte mich, ob das Stroh auf dem Fußboden dafür gedacht war, das Wasser aufzusaugen? Mir wurde ganz anders und wir sahen uns weiter um. Im Schlafzimmer waren an den Wänden hübsch geblümte Tapeten, die mustertechnisch direkt in die Gardinen übergingen, als gäbe es überhaupt keine Vorhänge. In Gedanken gab ich einen Abzug in der B-Note! Aber das war noch nicht alles. Überall sahen wir Blüten, sogar der Teppichboden war geblümt. Eindeutig „to much“, selbst für eingefleischte Landhausstil-Liebhaber! Ich mag grundsätzlich geblümte Muster, aber in diesem Haus war
bestimmt jeder froh, dass er nachts die Augen geschlossen hatte.

Als mein Blick auf das Bett fiel, sah ich dort schon wieder Stroh. Und eines stand fest, es war sicher nicht dafür gedacht, Wasser aufzusaugen und es gehörte auch nicht zur Dekoration. Warum es dort wohl lag? Langsam dämmerte es mir und ich schaute nach oben. Natürlich, das Stroh kam direkt vom Dach und war einfach, zwischen die Holzdielen der Zimmerdecke hindurch, nach unten gefallen.

Um uns zu vergewissern, gingen wir die schmale Treppe hinauf und fanden uns auf einem großen Dachboden wieder. Tatsächlich, die alten Holzdielen waren mit Strohhalmen übersät, entsprechend marode zeigte sich das Dach über uns. Es hatte definitiv schon bessere Zeiten gesehen. Ich stellte mir vor, wie gemütlich es im Haus sein musste, nach einem starken Regenguss und was ein Gewitter oder ein Kurzschluss in der alten Stromleitung alles anrichten konnte … Mir wurde ganz schaurig zumute.

Vorsichtig gingen wir wieder nach unten und nahmen das Wohnzimmer in Augenschein. Das hatte auf dem Foto im Prospekt so gemütlich gewirkt. Und tatsächlich, es war auch mal gemütlich gewesen – jedenfalls vor ungefähr 50 Jahren. Der geblümte Ohrensessel, der offene Kamin, wie für eine Filmkulisse gemacht. Das Ganze erinnerte mich an die Miss Marple Verfilmungen, jedenfalls auf den ersten Blick. Man durfte jedoch nicht genau hinsehen. Die Fußleisten waren durchweg vergammelt, ebenfalls die Terrassentür. Alles war schmuddelig und renovierungsbedürftig.

Neben der Tür stand ein Zinkeimer mit Sand, in denen Kippen steckten. Die Gartenmöbel bestanden aus einem durchgesägten Baumstamm auf Beinen, der als Tisch dienen sollte, und einer harten Holzbank ohne Lehne. Um die Ecke standen die rostigen Überbleibsel eines Liegestuhls. Meine Freude war stark getrübt, genauso wie die Fensterscheiben, durch die man laut Prospekt den Meerblick hätte genießen sollen. Mein Mann und ich sahen uns an; ein Blick genügte. Der fragende Blick unseres Hundes ging zwischen uns hin und her. „Was hat Herrchen denn? Warum ist Frauchen so traurig?“

Jenny verstand die Welt nicht mehr. Die Enttäuschung über unseren wortlos gefassten Entschluss war ihr ins Gesicht geschrieben. Und als wir tätig wurden, hatte ich den Eindruck, Jennys Gedanken lesen zu können: „Leute, die Hütte gefällt mir, sie riecht total interessant. Ich wollte schon immer mal Abenteuerurlaub mit euch machen. Also wieso packt ihr alle Sachen wieder in das doofe Auto zurück, sogar meine Näpfe und meine Schlafhöhle?“

Auf den Geschmack unseres Hundes konnten und wollten wir keine Rücksicht nehmen und begaben uns schnurstracks zur Ferienhausvermittlung. Dort angekommen, brauchten wir nicht viel zu sagen. Die zuständige Dame gab uns sofort drei Schlüssel von anderen Ferienhäusern, von denen wir uns ein annehmbares aussuchten und dann doch noch einen schönen Urlaub verleben konnten.

Heute frage ich mich, ob ein solches Haus im Zeitalter des Internets überhaupt noch eine Chance hätte, gebucht zu werden. Aber wahrscheinlich ist es ohnehin schon längst in Flammen aufgegangen. Ja, Gewitter können eine reinigende Wirkung haben.

Kücheninspektion

Jedes Mal, wenn wir in einem Ferienhaus ankommen, sehe ich erst einmal in die Küchenschränke, um schnell alles zu optimieren. Mein Mann soll beste Arbeitsbedingungen vorfinden. Und es gibt immer etwas umzustellen und zu verbessern, glauben Sie mir. Und was ist dieses Mal zu tun?

Ups, wie sieht es denn hier aus? Plastikvorratsgefäße im Topfdrehschrank, ein dickes Holzschneidebrett ganz oben im Hängeschrank bei Tee und Zucker (wem soll das denn auf den Kopf fallen?), kein Schaber zu finden (man glaubt kaum, was man noch alles aus der Green-Pan-Pfanne raus schaben kann). Dann, oh Schreck, es piept beim Aufziehen einer Großraumschublade. Was soll das denn bedeuten? Wow, es ist ein Geschirrspüler.

Die Inspektion geht weiter: Kochlöffel in der Geschirrschublade zwischen den Tellern unter drei Rollen Frischhaltefolie versteckt. Drei Rollen? Wird nach jeder Vermietung einfach automatisch wieder eine Rolle nachgekauft oder sind das „Mitbringsel“ unserer Vorgänger und Vorvorgänger? Mich wundert es jedenfalls nicht, dass sie kaum gebraucht wird? Hier muss man nämlich nichts frisch halten. Hier wird einfach alles aufgegessen, was auf den Tisch kommt. In Konservendosen und Gefrierbeuteln ist nämlich alles portioniert, sprich rationiert. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: „Seeluft macht hungrig!“

Dänen lügen nicht

Ich erwache und habe das Gefühl, ich liege nicht, ich schwebe. Ist meine Schulter überhaupt noch da? Ich spüre keinerlei Druck oder Schmerz. Doch, sie ist noch da, sie war nur druckfrei versunken, und zwar in dem weichen dänischen randlosen Polsterbett, das auf einer Art Kufen steht. (Im Winter könnte man es vermutlich als Schlitten einsetzten, aber das ist eine andere Geschichte.)

Als Betten-Verkäufer würde ich es folgendermaßen anpreisen: „Bei diesem Modell handelt es sich um ein schulterschmerzfreies Slip-Modell mit pull and push Kufen-Funktion. Es ist 180 cm breit und lässt sich im Handumdrehen auf dem Boden vor und zurück und hin- und herschieben. So können Sie dahinter und darunter ganz leicht sauber machen und es RUNDUM frisch beziehen. Es wäre auch in Deutschland der Liebling aller Haus- und Putzmänner bzw. -frauen.“

Schade, bei uns quält man sich nach wie vor lieber mit unverrückbaren Riesenbettgestellen. Besonders beliebt ist derzeit das nicht handelbare Boxspring-Bett, immer nach dem Motto: Wenn schon unpraktisch, dann auch teuer – das nennt man dann Designer-Stück.

In den anderen dänischen Ferienhäusern hatten wir früher immer zwei nebeneinanderstehende 90 cm breite Versionen unseres heutigen Bettentraums. Sie wurden mit einer serienmäßig dazugehörigen Spange an den Kufen zusammengehalten. Es bestand nämlich sonst die Gefahr, dass im entscheidenden Augenblick einer der Partner (oder beide) zwischen den Betten verschwindet. Ich weiß, wovon ich spreche, denn in einem unserer Ferienhäuser fehlten die notwendigen Spangen, womit wir nicht gerechnet hatten. Was soll ich sagen, nur soviel – wir kamen aus dem Tal der Ahnungslosen …

Am nächsten Tag hatte mein Mann die Kufen mit einer Schnur zusammengebunden, damit wir keine bösen Überraschungen mehr erleben konnten. Erstaunlich, welchen Komfortgewinn so ein kleines Stück Schnur bewirkt.

Vor 26 Jahren – als wir unsere ersten Gehversuche in Sachen Dänemarkurlaub machten – mussten wir mit seeeeehr viel weniger Luxus auskommen. Wir hatten ein »Sommerhus« auf Seeland gebucht. Es gab noch kein Internet. Im Prospekt stand Die Kojen sind guten. Also sind die Betten gut, dachten wir. Aber die Betonung lag auf Kojen.

In der ersten Nacht lag ich oben, in einem sehr hohen Hochbett, auf das keine richtige Leiter führte. Die Besitzer mussten zweifellos Riesen sein und es selbst eingebaut haben. Das Bett war so hoch, dass ich am nächsten Morgen, beim Versuch rückwärts hinunterzukommen, mit den Hüftknochen auf der harten Kante auflag und weder vor noch zurückkam. Mein Mann musste mich befreien. Diese Schlafgelegenheit war eindeutig nicht zu empfehlen, höchstens für Masochisten oder Selbstmörder. Wir haben dann meine Matratze auf den Fußboden gelegt und den Urlaub trotzdem genossen. Was Betten in dänischen Ferienhäusern betraf, bestand also akuter Handlungsbedarf.

Wie wir jetzt wissen, hat sich in unserem Urlaubslieblingsland seitdem auf diesem Gebiet viel getan. Inzwischen kann ich sagen: „Dänen lügen nicht, wenn sie behaupten würden, uns bettentechnisch überholt zu haben!“