Mini-Verdienst-Kreuz auf Klopapierbasis

Wenn man Kurpfalzrolle hört, könnte man an Klopapier bei Analbeschwerden denken. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine zertifizierte Prinzenrolle, also um Doppelkekse mit Kakao-Creme-Füllung. Leider besteht die Füllung hauptsächlich aus Zucker und gehärtetem Pflanzenfett, dass nur darauf wartet, sich in den Arterien der Verbraucher endgültig zur Ruhe zu setzen. Das Ergebnis nach größerem Verzehr solcher Fette nennt man dann Arteriosklerose.

Sie werden es nicht glauben, aber der ohnehin geringe Kakao-Anteil dieser Füllung ist zertifiziert, allerdings nur teilweise. Was hier so großartig bescheinigt wurde, weiß wohl nur der Anbieter des Zertifikats selbst, denn auf der Packung wird nichts dazu erklärt. Wer es genau wissen will, kann versuchen sich schlau zu machen, indem er das Internet bemüht. Ich befürchte jedoch, dass er auch dort eher für dumm verkauft wird. Eines steht fest: Qualität und Geschmack sind jedenfalls keine Kriterien für das Zertifikat.

Inzwischen habe ich das Gefühl, dass die vielen Zertifikate, die derzeit überall auf den Verpackungen zu finden sind, extra nur für solche Produkte erstellt werden, die es auch nötig haben. Der Kauf des Produktes soll beim Konsumenten irgendwie ein gutes Gefühl hervorrufen. So ganz nebenbei suggerieren die Zertifikate auch noch so etwas wie Fairness und Umweltschutz. Jeder möchte doch etwas Gutes tun, ohne sich in irgendeiner Weise einzuschränken – und wenn das sogar beim Naschen geht, BINGO!

Und selbst, wenn 5 % des Kakaoanteils aus ökologischer Landwirtschaft kämen, was ich nicht glaube, darf man eines bei der ganzen Diskussion nicht vergessen: Ein kleiner Schritt für die Umwelt ist ein großer Sprung in Sachen Konfektionsgröße!

„Wir sind alle kleine Sünderlein, ´s war immer so, ´s war immer so“ heißt es schon in dem alten Schunkel-Lied. Aber wir zeigen trotzdem unseren guten Willen:
– Zwar täglich die Pizza im Backofen duften lassen, aber sie bei Energiesparlampen-Beleuchtung verzehren,
– zwar täglich heiß dauer duschen, aber anschließend in fast kalt gewaschene Wäsche schlüpfen,
– zwar Langstrecken-Urlaubsflüge machen, aber dafür nur umweltfreundliches Briefpapier versenden,
– zwar einen SUV unterm Hintern haben, Letzteren aber mit umweltfreundlichem Klopapier putzen …

Könnte man sich seinen guten Willen nicht zertifizieren lassen? Solch eine Art Mini-Verdienst-Kreuz für Konsumenten. Es würde sich gut raushängen lassen – sogar aus einem SUV.

Meisterwerke der Suggestion

Es dürfte inzwischen wohl einwandfrei feststehen, dass der Konsum von Industrie-Zucker ein großes Problem unserer Zeit ist. Leugnen seitens der sogenannten Lebensmittel-Industrie ist zwecklos. Deshalb geht man neuerdings dazu über, abzulenken. Wozu gibt es schließlich all die genialen Lobbyisten. Überall werden Informationen gestreut – Meisterwerke der Suggestion, die sich einfach genial zum „Leutedurcheinanderbringen“ eignen.

So sprang mich neulich in einer Supermarkt-Beilage folgende Verblödung an: Unter dem Foto eines hübschen jungen Mädchens stand: Du bist Zucker! Wie viel Zucker brauchst Du noch? Die empfohlene Menge Zucker für eine erwachsene Frau beträgt 8 Stücke und für einen Mann 10 Stücke täglich.

Die Aussage suggeriert, dass Zuckerkonsum empfohlen wird! Tatsächlich handelt es sich aber um die Menge, die nicht überschritten werden sollte, wenn man ALLE Zuckerarten, die man zu sich genommen hat, zusammenrechnet. Verschwiegen wird, dass Zucker überhaupt nicht ZUSÄTZLICH zugeführt werden sollte, weil sich der Körper nach Bedarf SEINEN Traubenzucker aus der zugeführten Nahrung selber herstellt, und zwar durch einfaches Umwandeln. Der Zuckerspiegel soll nämlich nach Möglichkeit immer auf einem Level bleiben. Das zu schaffen, ist eine Meisterleistung, die unser Körper normalerweise problemlos beherrscht. Wenn er Zucker zugeführt bekommt, stellt er selber einfach weniger her. Bekommt er aber zu viel Zucker von AUSSEN, weiß er nicht mehr wohin damit und wandelt ihn in Fett um.

Das Ergebnis ist sichtbar. Sagen Ihnen die Ausdrücke Hüftgold, Doppelkinn, Rettungsring etwas? Aber auch das Umwandeln in Fett hat seine Grenzen. Irgendwann klappt das nicht mehr und es kommt zu Diabetes Typ II – derzeit auch als selbst verursachte Zivilisationskrankheit Nummer EINS bezeichnet.

Weil die Lobbyisten den billigen Industriezucker nicht einfach schön reden können, haben sie eine neue Strategie, in dem sie eine falsche Fährte legen. In einem großen Bogen führen sie geschickt vorbei an den Hauptverursachern wie Softdrinks und prangern z. B. Schwarzbrot und Schinken an, weil in diesen Lebensmitteln „versteckter Zucker“ sei. Ja, das nennt man dann Aufklärung und es suggeriert, dass sich etwas Positives in der Lebensmittelindustrie tut.

Es gibt heutzutage überall eine sogenannte Ernährungsberatung, wo man auch hinschaut – Portionsangaben hier, Zertifikate dort. Auch Supermarktketten zeigen ihren guten Willen und haben neuerdings ein paar Zucker reduzierte Vorzeige-Eigenmarken im Sortiment.

In diversen „Ratgebern“ (Ich möchte nicht wissen, wer die finanziert!), lese ich regelmäßig, man solle aufpassen, was auf den Tisch kommt. Aha! Bei der Ernährung soll man aufpassen, beim NASCHEN offenbar nicht. Kindermilchschnitten, Fruchtgummis und Cola kommen also nicht auf den „Tisch“ und zählen deshalb nicht mit, wenn von dem gefährlichen versteckten Zucker die Rede ist, den man unbedingt vermeiden soll.

Ein kluger Schachzug, denn in Fruchtgummis muss man den Zucker nun wirklich nicht suchen. Er ist nicht versteckt, die Dinger bestehen ja quasi nur aus diesem billigen Rohstoff. Und da sie NUR zum Naschen dienen, sollen sie laut aufgedrucktem Hinweis auch nur in kleinen, empfohlenen Portionen genossen werden, woran sich leider fast niemand hält.

Die Portionsangaben sind winzig, aber die Packungen sind riesig, oft bis zu 1,2 kg. Wer kann sich nach dem Genuss von wenigen Gummis schon beherrschen bei dieser enormen Packungsgröße? Und außerdem sagen sich die Verbraucher, sprich Nascher: Wer weiß schon, welche Portion für mich die Richtige ist?

Cola und andere Softdrinks werden in Ernährungs-Ratgebern praktisch nie erwähnt. Wenn überhaupt, dann nur als Limonade auf gleicher Ebene mit Fruchtsäften. Es heißt: Frisch gepresste Fruchtsäfte könne man ruhig mal trinken. Es solle aber nicht zur Gewohnheit werden, denn sie enthielten viel Zucker.

Hallo, geht’s noch? Saft enthält Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe wertvolle, sekundäre Pflanzenstoffe, die entgiften und entsäuern und er enthält NATÜRLICHEN Zucker. Bei Cola und anderen Softdrinks hingegen handelt es sich nur um billig produziertes Zuckerwasser mit künstlichen Geschmacksstoffen, meist in viel zu große Flaschen abgefüllt. Darüber, ob es ratsam ist, diesen Genuss zur Gewohnheit werden zu lassen, gibt es leider keinen Hinweis.

Passt mal auf Leute, ich sage Euch was: Es gab die Stein-Zeit und es gab die Bronze-Zeit. Jetzt haben wir die Verarschungs-Zeit.