Ruinierte Frisur nach Naturschauspiel

Ich schaue vom Bett aus in den hellgrauen Himmel. Mein Mann hat es gern, wenn ich noch liegen bleibe, damit er sich in Ruhe seinen Morgenritualen hingeben kann. Ich setze mich auf und sehe das hellgraue Meer, drücke das Fenster einen Spalt auf und lasse mich wieder zurückfallen. Die frische Brise streicht mir übers Gesicht. Langsam drückt der Wind das Fenster immer weiter auf.

Diese dänischen Fenster schwingen nicht an Scharnieren leichtgängig hin und her. Man kann das Fenster schwergängig stufenlos nach außen öffnen. Normalerweise bleibt es dann so weit geöffnet, wie man es aufgedrückt hat.

Mit seinem sportlichen Fahrradoutfit bekleidet, gibt mein Mann mir einen Kuss. Er will Brötchen holen fahren. Und weil die Wolkendecke an einer Stelle plötzlich ein kleines Stückchen vom Himmel freigibt, setzt er sofort seine sportlich-schneidige Sonnenbrille auf. Sonst ist er nicht so optimistisch.

Ich habe ein Samstagmorgengefühl, wie ich es von einem arbeitsfreien Samstag  kenne. Später stelle ich fest: Es ist Samstag. Alles klar. Als wir frühstücken, fliegen mehrere Schwärme von Schwalben vorbei landeinwärts. So viele Schwalben hatte ich noch nie auf einmal gesehen. Später peitscht ein wolkenbruchartiger Regen gegen die Scheiben – das war wohl nichts mit dem Optimismus meines Mannes.

Dieses Naturschauspiel ist wunderschön anzusehen. Zum Glück müssen wir nirgendwo hin, können einfach zu Hause bleiben und es uns gemütlich machen. Im Gegensatz zu denen da draußen, die in einem Segelboot gerade verzweifelt den schützenden Jachthafen ansteuern. Sie schaffen es ohne Schaden, denn sie haben das Segel rechtzeitig blitzartig hinuntergleiten lassen. Nun liegt es kreuz und quer auf dem Kajütendach und sie müssen es nach dem Unwetter nur wieder hochziehen.

Vor dem Auslaufen hatte man ihnen bestimmt Mast- und Schotbruch zugerufen, so wie man anderen Hals- und Beinbruch wünscht. Und es hat gewirkt. Es ist alles heil geblieben. Man kann sagen: „Sie sind noch einmal mit einer ruinierten Frisur davongekommen!“